An unserem letzten Reisetag lagen noch einmal 426 Kilometer vor uns – diesmal fast ausschließlich über die Autobahn. Bei schönem Wetter war das eine leichte Übung. Natürlich gab es hier und da ein paar Staus, aber insgesamt kamen wir gut durch und waren bereits am frühen Nachmittag wieder zu Hause.
Rückblickend hatten wir mit dem Wetter einmal mehr großes Glück. Während unseres Aufenthalts in Norwegen war praktisch jeden Tag Regen vorhergesagt. Tatsächlich hatten wir über die gesamte Reise verteilt nicht einmal zwei Tage mit wirklichem Regen. Da kann man sich wirklich nicht beschweren.
Südschweden hat uns im südlichen Teil positiv überrascht. Die Straßen sind abwechslungsreich, kurvig und machen richtig Spaß. Je weiter wir jedoch nach Norden kamen, desto gerader wurden die Straßen. Irgendwann verliert selbst der hundertste See seinen besonderen Reiz.
Eine Kleinigkeit ist uns dabei besonders aufgefallen: In Schweden gibt es auf den meisten Parkplätzen keine Bänke. In Norwegen ist es fast genau umgekehrt. Dort findet man an fast jedem Parkplatz Sitzgelegenheiten, oft sogar mit einem traumhaften Ausblick. Man merkt einfach, dass dort viel Wert darauf gelegt wird, Reisenden eine Pause angenehm zu machen.
Auch die Suche nach einer Hütte gestaltete sich in Schweden deutlich schwieriger als in Norwegen. Dort gibt es wesentlich mehr Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende.
Typisch für Schweden waren außerdem die vielen Pferde, die scheinbar zu fast jedem Bauernhof gehören. Und noch etwas fiel uns auf: Man kann kaum eine halbe Stunde fahren, ohne ein Schild zu einem Golfplatz zu sehen. Ob Nationalsport oder bevorzugtes Hobby wohlhabender Rentner – wir wissen es bis heute nicht.
Auf den besonders kurvigen Straßen war der Asphalt dagegen oft in einem Zustand, der uns eher an Ungarn erinnerte.
Schon kurz nach der Überfahrt nach Norwegen waren wir uns beide einig: Schweden wird vermutlich nicht mehr zu unseren Reisezielen gehören.
Für uns bleibt Norwegen das Motorrad-Reiseland Nummer eins.
Schon wenige Kilometer hinter der Grenze verändert sich die Landschaft spürbar. Dazu kommen die Gastfreundschaft, die man an nahezu jedem Parkplatz erlebt, die vielen Übernachtungsmöglichkeiten und Straßen, die scheinbar genau für Motorradfahrer gebaut wurden.
Norwegen fühlt sich einfach richtig an.
Wir kommen wieder.
Spätestens 2028. 🏍️🇳🇴




Jede Reise endet irgendwann. Was bleibt, sind Erinnerungen – und die Motorräder, mit denen man sie erlebt hat.
Beide Moto Guzzis haben uns zuverlässig durch Skandinavien gebracht, jede auf ihre ganz eigene Art. Zeit also für ein persönliches Fazit. Keine technischen Testberichte, keine Messwerte und keine Bestenlisten – sondern einfach zwei ehrliche Eindrücke nach über 6.000 Kilometern auf den Straßen Schwedens, Norwegens, Dänemarks und Deutschlands.
Mein Fazit zur Moto Guzzi California 3
Teil unserer Reise war auch, die beiden Moto Guzzis miteinander zu vergleichen. Ich fange mit meiner an und beschreibe sie anhand einer Geschichte, die wir in Norwegen erlebt haben.
Wir fahren nach einer Pause los. Ich fahre als Erster auf die Straße und drehe langsam das Gas auf. Meine Spiegel vibrieren sich in Rage wie ein Handmixgerät aus den Fünfzigern. In meinen Spiegeln erscheinen auf einmal zwei verschwommene Jagdflugzeuge.
Als ich den Blick wieder nach vorne richte, stelle ich mir vor, ich sitze in einer Messerschmitt Me 109 aus dem Zweiten Weltkrieg und rolle auf der Startbahn. Mit den Jägern der Alliierten im Nacken gibt es nur eine Option:
Gashebel ganz nach vorne!
Der Motor macht metallische Geräusche wie die Ankerkette eines Schlachtschiffes, die beim Ankern rasend schnell über den Stahl gleitet. Die Auspuffkrümmer dröhnen nach zwei patschenden Fehlzündungen los, dass es unter dem Lederheadset kaum zu ertragen ist. Die offenen Vergaser schnauben wie eine wilde Büffelherde in Panik. Die Pedale für das Seitenruder vibrieren so heftig, dass ich es bis in die Knie spüre. Die Messinstrumente wackeln in alle Richtungen.
Mit einem Ruck hebt die Maschine ab und ich gleite knapp über einer Straße durch das Tal. Um den Verfolgern zu entkommen, fliege ich knapp über dem Boden eine Kurve nach der anderen und passe die Höhe der Landschaft an. Es ist ein purer Adrenalinrausch.
Bis eine nette weibliche Stimme sagt:
„Bitte biegen Sie in 500 Metern im Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt ab.“
Ich bin wieder da. Im richtigen Leben.
Die zwei Jagdflugzeuge im Spiegel waren natürlich nur das Tagfahrlicht von Matthias‘ V85 TT, das die Form des Moto Guzzi Adlers hat und sich durch die Vibrationen verdoppelte. Die Motorgeräusche stammten von meinen klappernden Ventilen, der Auspufflärm von meinen offenen Mistral-Tüten, das Schnauben von meinen fast offenen Vergasern. Die Pedale waren meine Trittbretter und die Messinstrumente meine wackelnden Armaturen.
Aber ich bin geflogen!
Ganz sicher in diesem Moment – auf meiner Moto Guzzi California 3.
Die Tränen der Begeisterung, während ich diesen Text schreibe, sind meine Zeugen.
Dieses Motorrad hat mich mir selbst ein Stück näher gebracht.
Das ist es, was ich tue. Das ist es, was ich bin.
Natürlich war sie nicht perfekt. Die California hat während der Reise immer mal wieder beim Anspringen gezickt. Der Kupplungszug ist gerissen, das Rücklicht hatte einen Wackelkontakt und vorne hatte ich einen Platten. Sonst gab es keine Auffälligkeiten.
Und trotzdem muss man ehrlich sein: Technisch kann die California 3 in keiner Weise mit Matthias‘ V85 TT mithalten. Weder beim Fahrwerk, noch beim Motor, den Bremsen oder den modernen Assistenzsystemen wie ABS. Wenn Matthias vorne fuhr und zügig unterwegs war, musste ich die California regelrecht ausquetschen, um dranzubleiben.
Aber genau darum geht es auch gar nicht.
Die California ist kein Motorrad für Bestzeiten oder Datenblätter. Sie lebt von ihrem Charakter, ihren Geräuschen, ihren Vibrationen und den Emotionen, die sie auslöst. Sie fährt nicht einfach nur – sie erzählt eine Geschichte.
Das war mein Fazit zur Moto Guzzi California 3.
Technische Daten und Testberichte findet ihr im Internet!

Matthias zur Moto Guzzi V85 TT
Ein knappes Jahr alt und über 10.000 km gelaufen: die wunderschöne V85 TT hat sich erst auf einigen Pässen auf dem Weg zum Gardasee und jetzt mit voller Beladung in Norwegen bewährt. Meine Erwartungen (nach langen Recherchen) wurden absolut erfüllt.
Ein unkomplizierter Reisebegleiter mit Fahrspaß und italienischem Flair!
Das Besondere ist die Kombination aus einem fast schon altmodischen luftgekühlten V2-2-Ventiler und ein wenig zeitgemäßer Ausstattung wie schräglagenabhängiger Traktionskontrolle, ABS sowie ein paar Fahrmodi. Der Tempomat war bei den wenigen langweiligen Geradeauspassagen hilfreich. Mein Modell hat als Sonderausstattung Griffheizung, die bei 9 °C und Regen um Trondheim zum Einsatz kam. Das einfache Menü ist über einen Kreuzschalter leicht zu bedienen. Kettenpflege entfällt unterwegs zum Glück durch den Kardanantrieb.
Das Herz der Maschine, der 853 ccm große längs verbaute V2, hat bekanntermaßen Rhythmusstörungen. Das muss man mögen, es vibriert ordentlich und bei verschiedenen Drehzahlen ändert sich die Geräuschkulisse deutlich. Nach einem kultivierten Yamaha CP2-Motor für mich durchaus gewöhnungsbedürftig: um 3500 Touren scheppert es gehörig.
Das Drehmomentloch des Vorgängermotors zwischen 2000 und 3000 U/min wurde mit variabler Ventilsteuerung wohl weg-engineert, es fühlt sich beim flotten Hochdrehen trotzdem etwas schwachbrüstig an. Für mich nicht störend, obwohl wir viel im tieferen Drehzahlbereich mit ausreichend Drehmoment durch die Kurven geschwungen sind. An steileren Anstiegen und engen Kehren dreht der Motor um 5000 U/min und höher willig, klingt kernig und schiebt für mich mehr als ausreichend.
Der Auspuff klingt bei Last bollernd und nie zu laut. Das Nachbollern beim Abtouren, vor allem im 2. Gang, ist ein recht blechernes „Römpömpöm“, mir gefällt es.
Bemerkenswert ist das Handling: Das Motorrad fährt sich sehr leichtfüßig. Obwohl ich etwas Sorge hatte, wie sich das Fahrverhalten ändert, war auch bei ziemlicher Beladung (ich habe sie vorsichtshalber mal NICHT gewogen) das Fahrverhalten sehr unkompliziert. Der linke Koffer (Hepco und Becker Explorer) ist genauso groß wie der rechte, steht aber wegen der Umgehung des Auspuffs deutlich weiter heraus. Nach etwas Eingewöhnung war das auch für einen nicht so tourenerfahrenen Fahrer wie mich ok: die Fußraste setzt vorher auf.
Das Schild ist kleiner als bei dem Modell „Travel“ und sowieso nicht mit Joe’s California-Schild zu vergleichen. Bei Regen habe ich es hochgezogen, sonst leistete es in der untersten Position gute Dienste.
Gewöhnungsbedürftig ist die Fußposition: Jeder, der Schuhgröße >41 hat, wird suchen müssen, wo er den Stiefel lässt. Wer den Ballen auf die Fußraste setzen möchte, kollidiert mit dem Hacken mit Anbauteilen oder Auspuff. Wer mittig gerade darauf steht, wird öfters unbemerkt die Hinterbremse schleifen lassen. Zum Glück wird das im Display angezeigt.
Wie hier im Blog nachlesbar, hatte ich etwas Sorgen mit der Bereifung. Nachdem es wohl nichts Ernstes oder Ungewöhnliches ist, toleriere ich das Aufschaukeln und Hoppeln des Pirelli Scorpion Rally einfach. Mit dem Michelin Anakee Road war alles problemlos.
Die Hinterbremse ist etwas schwächlich, zum Mitbremsen und Dosieren funktioniert sie gut. Dagegen ist die Vorderrad-Brembo wirklich super.
Die Reichweite ist mit über 400 km ein Traum. Der aufmerksame Blog-Leser erinnert sich, dass wir mit kleineren Tanks und Nachlässigkeit auf der rumänischen Transalpina den Reservetank bemühen mussten.
Mein Fazit
Nachdem ich auf der Probefahrt schockverliebt war, hat die V85 TT alles gehalten, was sie versprochen hat. Sie ist eine einzigartige Mischung mit viel Charakter. Nicht nur die Optik, sondern auch die Technik fasziniert mich. V2-Feeling ohne Harley-Zirkus, moderne Komponenten und tolles Fahrverhalten.
Kleine Mängel verzeiht man ihr aufgrund ihres Charmes. Trotzdem bin ich froh, auch noch die XSR mit japanischem Reihen-Twin in der Garage zu haben.

Gesamtzeit: 05:50:57


